#interview #polizei


@polizei_bw

Wir hatten die Ehre mit der Polizei Baden-Württemberg ein Interview zu führen.

Vielen Dank für die Unterstützung an Polizeibeamtin Diana Eisele und Polizeioberkommissarin Kim-Laura Schad.


Werden Sie von den Betroffenen selbst kontaktiert oder von Kontaktpersonen, wie zB den Eltern kontaktiert?

Ich persönlich, in meinem Bereich, werde oft von Lehrern oder Sozialarbeitern kontaktiert.


Wie können Sie als Polizei helfen?

Wenn Jugendliche Opfer von Straftaten im Betrugsbereich, aber auch im Gewalt- oder Sexualbereich werden, ist Ihnen häufig noch gar nicht klar, dass dies schon in den Bereich einer Straftat fällt.

In eurem Content bei Instagram sagst ihr es genau richtig „Hör auf dein Bauchgefühl“.

Wir von der Prävention können helfen, indem wir Kinder und Jugendliche aufklären, was genau erlaubt und verboten ist.

Du selbst bist der Chef über deinen Körper und nur DU bestimmst deine Grenze, niemand sonst. Wenn ein Fotograf das Model am Geschlechtsteil, Innenschenkel, Po oder auch Brustbereich anfasst, um dich für ein Bild richtig in Pose zu bringen, ist das verboten.

Das ist eine sexuelle Belästigung und eindeutig eine Grenzüberschreitung.

Diese Grenze ist eindeutig gesetzlich vorgeschrieben!

Auch wenn ich nicht direkt „nein“ sage, darf die andere Person das nicht machen!

Viele Jugendliche, aber auch Erwachsene lassen solche Berührungen, wenn auch nur kurz und zu anfangs eher flüchtig, über sich „ergehen“, obwohl sie bereits ein komisches Gefühl dabei haben.

Ein professioneller Fotograf wird das Model fotografieren, auch wenn es seine eigenen Grenzen festlegt.


Die eigenen Grenzen können sein, dass man gar nicht berührt werden möchte, oder dass Berührungen, um einen in eine bessere Pose zu bringen an Körperbereichen wie Gesicht, Arm etc. ok für einen selbst sind…die allgemeingültigen/strafrechtlichen Grenzen sind ganz konkret die Geschlechtsbereiche wie oben bereits genannt (Vagina, Penis, Innenschenkel, Po und Brust).


Die Prävention möchte klar machen, dass jeder von uns selbst seine Grenzen setzt und diese respektiert werden müssen! Sei es dir wert!

Ich muss keine körperlichen Kompromisse eingehen, für kein Geld der Welt und auch für keine Hoffnung - ich kann auch Berührungen und anzügliche Äußerungen anzeigen, selbst wenn mir das Gegenteil eingeredet wird – Anzeigen können auch zeitlich sehr viel später aufgegeben werden, oft benötigt man etwas Zeit und Mut.

Wir von der Polizei wissen das!


Wie können sich Betroffen schützen?

Betroffene können sich schützen, indem Sie sich vorab schon bewusstmachen, was ihre Grenzen sind und bei einem komischen Bauchgefühl hierauf hören.

Des Weiteren sollten sich Personen schon vorab über Fotografen oder Modelscouts informieren, deren Onlineverbindungen checken und ganz wichtig: Rückwärtssuche im Internet betreiben.

Rückwärtssuche bedeutet: Ich habe ein Bild des Fotografen im Internet, unabhängig davon, ob ich ihn schon persönlich getroffen habe, oder nur Online.

Dieses Bild kann ich in Google Chrome einsetzen und das Internet mit diesem Bild durchsuchen.

In welchem Bereich, auf welcher Seite, in welchem Zusammenhang wurde dieses Bild bereits gepostet? Sind es ausländische Seiten, sind es andere Agenturen usw.

Man kann sich für Foto-Rückwärtssuchen auch Apps installieren, wie für Android z.B. „Search by Image“.


Genauso wichtig ist es, den Namen des Fotografen/Scouts im Internet zu recherchieren, schauen, ob es Erfahrungsberichte gibt, evtl. von anderen Models oder gar Opfern.


Frage den Fotografen/Scout direkt nach seinem Portfolio.

Was hat er bereits gemacht, für welche Seiten/Firmen hat er bereits gearbeitet?

Ist das alles nachvollziehbar?

Gibt es diese Arbeiten im Netz und wenn ja, ist klar erkennbar, dass diese Arbeiten auch von genau der Person stammen, mit der du gerade in Kontakt stehst?


Gehört der Name der Person auch zu dem Gesicht, welches du vor dir hast?


Zudem kann man sich schützen, indem man nicht in Privatwohnungen dieser eigentlich unbekannten Menschen geht.

Sind die Fotografen/Scouts professionell, haben Sie ein Studio.

Wenn ich aus Gründen doch in eine Wohnung gehe, gehe ich niemals alleine, auch und vor allem dann nicht, wenn der Fotograf genau darauf drängt!


Mache dir Gedanken darüber, dass in Bädern, oder Umkleidezimmern von Fotografen auch versteckte Kameras installiert sein können.

In einer Firma kann das natürlich auch immer sein, aber wenn noch andere Menschen dort angestellt sind, ist die Wahrscheinlichkeit niedriger, als wenn du privat bei jemandem Zuhause bist.

Heimliche Aufnahmen sind verboten und sollten in jedem Falle angezeigt werden, wenn man es herausfindet.


An wen kann man sich als Betroffene/r sonst wenden?

Es gibt in jeder Stadt bzw. in jedem Landkreis Hilfestellungen.

Wo man sich immer hinwenden kann als Jugendlicher oder Erwachsener sind die Caritas, der Weiße Ring und auch speziell für Jugendliche die Nummer gegen Kummer: 116111.

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