#interview #photographer


@vinz.world

Seit wann bist Du im Bereich Fotografie tätig und wie bist Du dazu gekommen?

Ich habe eigentlich immer schon fotografiert. Es gibt sogar ein Foto von mir – der kleine Vinz, 2 Jahre alt – auf dem ich eine Spielzeugkamera halte und durch den Sucher schaue.

So „richtig“ angefangen hat es, als ich begonnen habe Hochzeiten zu fotografieren, das müsste so 2012 gewesen sein. Dann kam eins zum anderen.

Durch Social Media wurden meine Bilder dann bekannter, ich hatte eine wachsende Community und fotografiere seither für verschiedene Firmen, Privatpersonen und weiterhin auch Hochzeiten.


Was macht Deiner Meinung nach einen professionellen Fotografen aus?

Ein professioneller Fotograf sollte zu seiner Arbeit stehen, offen für Neues sein und sich selber öfter mal hinterfragen. Stillstand ist der Tot der Kreativität.

Über den Tellerrand zu blicken, hat zudem noch nie geschadet.

Als Fotograf sollte man stets pünktlich erscheinen, freundlich und ehrlich kommunizieren und gute Arbeit leisten. So wie man eben auch von seinem Gegenüber erwartet, egal welchen Beruf die Person ausübt.


Wie läuft das perfekte Shooting in deinen Augen ab/ Wie läuft ein professionelles Shooting ab?

Das perfekte Shooting gibt es nicht.

Allerdings bin ich bei Outdoor-Shootings (z.B. Streetportraits) immer sehr froh, wenn dann unerwartet die Sonne die Wolken durchbricht und für eine unfassbar tolle Stimmung sorgt. Wir Fotografen sind so gut wie immer abhängig vom Licht.

Perfekt ist es, wenn man sich mit dem Model (w/m/d) dann noch super unterhält, viel quatscht und lacht. Jedes Shooting für sich ist einzigartig.

Ein professionelles Shooting, bezogen auf ein Einzelshoot mit einem Model zusammen, ist für mich wie ein Treffen mit einem Freund oder einer Freundin.

Respektvoll, offen, mit viel Witz und guter Stimmung.


Welche Punkte sind bei der Kommunikation mit dem Model am wichtigsten?

Kommunikation ist das A und O. Immer. In jeder Lebenslage.

Viel fragen, viel erzählen, einfach authentisch sein.

Ich lass es bei mir nicht ganz so „offiziell“ wirken, eher wie einen netten Plausch unter Freunden. „Zu ernst“ erweckt falsche Erwartungen. Ob diese positiver oder negativer Natur sind, bleibt erstmal dahingestellt.


Hattest Du bereits schlechte Erfahrungen während eines Shootings?

Also mit einem Model bisher nicht.

Eher mit einer anderen Fotografin, welche an einem Set arbeitete. Sie wusste nichts von meinem Erscheinen und war sichtlich erschrocken und erbost, als ich ebenfalls erschien. Wir kannten uns nicht und sie versuchte durch schnippische Bemerkungen vor anderen mich zu denunzieren. Ich bin allerdings sehr schlagfertig, was ihr nicht in die Karten spielte. Sowas nervt natürlich extrem. Der Tipp hier ist: Einfach cool bleiben, sein Ding durchziehen und Vollgas geben.

Es kommt zudem schon vor, dass vereinzelt Hochzeitsgäste dämliche Sprüche ablassen, wenn man fotografiert oder sich durch die Menge bewegt. Das kann einen – vor allem, wenn man „neu“ in der Szene ist, sehr verunsichern. Auch hier gilt es, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Ein unüberlegter Spruch kann dir weitere, (finanziell) lukrative Jobs zunichtemachen. Ein kühler Kopf ist immer von Vorteil.


Hattest Du schon mal Kontakt mit Fake Modelaccounts, woran hast Du sie erkannt?

Man erkennt sowas schnell an folgenden Punkten (bezogen auf Instagram):

- (meist) wenig Fotos

- Kaum Kommentare und diese zumeist auf Englisch

- Wenig bis keine Verlinkungen auf anderen Accounts

- Die Caption unter dem Foto ist unseriös und passt nicht wirklich zum Stil der Fotos bzw. der Person


Wurdest Du schon mal für einen Fake Account gehalten und was hast Du dagegen getan?

Das ist mir bisher nicht passiert. Mein Kanal ist sehr transparent, ich bin zudem auch im Internet unter meinem Namen zu finden. Das passt also!


Wie stehst Du zum Thema Body Positivity?

Das Thema ist riesig und es würde den Rahmen sprengen, das hier zufriedenstellend zu beantworten. Ich denke da relativ pragmatisch.

Jeder soll tun, was er für richtig hält, solange er niemand anderen mit diesem Verhalten verletzt. Wenn du übergewichtig bist, dann ist das deine Sache. Finde dich damit ab oder tu was dagegen. Wenn du gerne Sport machst, dann ist das auch okay und sogar gut für deine Gesundheit, aber geh anderen damit nicht auf die Nerven.

Wir alle haben unsere Kämpfe, die wir jeden Tag bewältigen müssen.

Also urteile nie über andere.

Grundsätzlich finde ich es allerdings gut, diesem Schönheits-und Schlankheitswahn, der auf Instagram herrscht, gehörig entgegenzuwirken.


Welchen Stellenwert haben Social Media Kanäle heutzutage und warum?

Einen zu hohen.

Doch der technische Fortschritt ist unaufhaltsam. Darum gehört es mittlerweile zum Leben dazu. Ich kenne fast niemanden, der nicht Whatsapp, Instagram, Facebook oder was auch immer nutzt.

Filmtrailer, Teaser, Musikvideos, was auch immer, alles wird über die sozialen Medien kommuniziert. Ungekürzte Videos aus Kriegsgebieten, rassistische Vorfälle, Themen mit politischem Hintergrund werden dort geteilt. Man weiß es meist schon bevor man die Abend- oder Tagesschau guckt.

Der Stellenwert bemisst sich auch daran, dass Menschen damit Millionäre werden können. Das sagt eigentlich alles.


Wie schaffst Du es, dass sich die Models vor der Kamera wohlfühlen?

Also zuerst muss gesagt werden, dass nicht allein der Fotograf für das Wohlbefinden anderer zuständig ist. Es ist immer die innere Haltung zur Kunst.

Ich dringe allerdings eigentlich relativ schnell durch zu anderen Menschen.

Etwas Smalltalk am Anfang, gute Fragen, normale Kommunikation halt.

Ich muss niemanden beeindrucken. Das sollte man sich immer wieder sagen. Oftmals gebe ich dem Model meine Kamera in die Hand (Leica M10, mit Messsucher) und lasse sie etwas rumprobieren. Den Grundstein legt man allerdings schon im Kontakt vorher (Instagram DM oder Mailkontakt, evtl. sogar ein Telefonat).


Vor allem als Mann sollte man nie mit der Tür ins Haus fallen.

Am Ende geht es um Fotos, nicht mehr. Keine Herz- oder Kussemojis senden, keine doppeldeutigen Aussagen tätigen und schon gar nicht Körperkontakt suchen.

Es gehört sich einfach nicht. Wie eben beschrieben: es ist ein Job, kein Date. Wenn sich natürlich eine Sympathie entwickelt, die von beiden Seiten aus gleichermaßen erkannt wird, kann man das eben Gesagte von mir natürlich verwerfen.


Welche Tipps kannst Du Models mit auf den Weg geben?

Ich bin da selbst nicht als Model tätig.

Im Grunde kann ich nur das sagen, was logisch ist:

Sag nicht zu allem ja und mach nicht zu früh irgendwelche „Nacktshootings“ (vor allem, wenn du das nur als Hobby betreibst).


Glaub nicht alles, was dir irgendwelche Fotografen erzählen. Sei kritisch und hinterfrag die Dinge ruhig.


Ein blauer Haken oder viele Follower bei Instagram bedeuten nicht, dass du „alles machen musst“.


Wenn du sexuell belästigt wirst, zeig das Verhalten bei der Polizei an.


Gewöhn dich daran, dass alle „nur das Beste für dich wollen“ – es gibt genug schlechte Agenturen auf dem Markt, die ihre Models ausnehmen wollen.


Das Aufgezählte klingt erstmal total negativ, ich weiß.

Die positiven Dinge überwiegen natürlich, das ist klar. Aber wie alles im Leben gibt es auch hier Schattenseiten und die sollte man kennen. Dann lebt es sich leichter.

Zum Glück gibt es auch viele gute Leute in dem Business.


Was inspiriert Dich?

Vieles.

Bücher, Musik, Filme, gute Gespräche, Reisen, andere Instagram-Kanäle.

Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen, sich beginnen für vieles zu interessieren.




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